Logistik & Versand

Fliegende Lieferanten: Wann setzen sich Lieferdrohnen im E-Commerce durch?

Unsere Welt wird immer autonomer. Bald könnte der Großteil der Pakete per Drohne ausgeliefert werden. Doch können sich Lieferdrohnen im E-Commerce durchsetzen?

Heute wundert sich keiner mehr, wenn kleine Roboter surrend am Himmel vorbeiziehen, denn Drohnen sind längst Bestandteil von Hollywoodfilmen, Büchern, der Gaming Industrie und einem Spaziergang im Park. Was früher überwiegend als Hobby für Technik-Freaks galt, ist heute auch bei „Normalos“ beliebt. Bei Mediamarkt findet man sie bereits in allen möglichen Varianten in den Regalen. Kleine Drohnen gibt es schon ab 15 Euro zu kaufen. Doch sie sind nicht nur ein abwechslungsreiches Spielzeug. Lieferdrohnen könnten sogar den E-Commerce revolutionieren, denn sie sind einer der Top Trends der Paketlogistik.

Vom Drachen zur Drohne

Früher ließ man Drachen aus Papier in die Lüfte steigen – heute sind es Drohnen.

Drohne

Ihren Namen hat die Drohne von der männlichen Biene. Biologen bezeichnen diese als „Drohne“. Die Aufgabe der männlichen Biene besteht lediglich darin, die Bienenkönigin zu befruchten. Nach der Paarung haben die Männchen ihre Pflicht erfüllt und sterben meistens. So kann auch eine Drohne abstürzen, ohne dass Insassen verletzt werden.

  • Im frühen 20. Jahrhundert setzte das Militär erstmals Drohnen zu Kriegszwecken ein.
  • 2014 lieferte DHL erstmals auf der Nordsee-Insel Juist Medikamente zu einer Apotheke und zwar per Drohne.
  • 2016 führte Amazon in England die erste Zustellung per Lieferdrohne an den Endkunden durch. Im Päckchen enthalten war eine Fire-TV-Box und einer Packung Popcorn.
  • 2018 sollen Drohnen weiter ausgebaut werden und mit Features ausgestattet, damit sie auch schlechten Wetterbedingungen standhalten.
  • 2021 soll der Markt für kommerzielle Drohnen bei 4,8 Milliarden Dollar liegen.
  • 2025 will China eine Langstreckendrohne in den Dienst stellen, die mit einer Tonne Nutzlast und rund 1500 Kilometer weit fliegen kann.

Seitdem hat sich in Sachen Lieferdrohne im E-Commerce in Deutschland allerdings nicht viel getan. Der Versandriese Amazon experimentiert weiterhin, um das Projekt „Prime Air“ umzusetzen. Bei dem Projekt geht es um den Ausbau von Lieferdrohnen durch Amazon. Dessen Ziel ist es, Päckchen schon bald per Drohne zuzustellen.

DHL hingegen hat die dritte Generation ihres Paketkopters bereits getestet. 2016 konnte die Helikopterdrohne in der Gemeinde Reit im Winkl und auf der Winklmoosalm 130 autonome Be- und Entladungen unternehmen. Die Drohne konnte dabei eine Last von zwei Kilogramm tragen und mit einer Geschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde fliegen.

Paketkopter von DHL. (Quelle: DHL)

China ist da schon etwas weiter. Dort liefert das Unternehmen „ele.me“ bereits Lebensmittel in einem 57 Quadratkilometer umfassenden Industriepark aus. Die Drohne liefert den Kunden die Ware zwar nicht von Tür zu Tür, sondern lediglich von Drohnenstation zu Drohnenstation. Dennoch spart es den Auslieferern viel Zeit. Die müssen die Lebensmittel nur noch vom Drohnen-Standort abholen und zum Kunden bringen. Auch in Teilen Neuseelands liefert das amerikanische Unternehmen Flirtey Pizzen bereits per Drohne aus.

E-Commerce Versandstudie 2018

Performance der 100 größten deutschen Onlineshops

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Ab wann gibt es Drohnen-Päckchen für Jeden?

Eine Großstadt, in der Drohnen am Himmel kreisen, die kleine Päckchen unter ihren Propellern tragen und diese langsam vor den Haustüren absetzen. Das mag zwar stark nach dem Szenario aus einem Science-Fiction Film aussehen, ist aber nicht ganz abwegig. Seit dem ersten luftbasierten Roboter hat sich bereits einiges getan. Die Forschung arbeitet ständig an der Weiterentwicklung der Lieferdrohne, um neue Nutzungsmöglichkeiten zu schaffen.

2016 lernten Drohnen zu sehen und somit Hindernissen auszuweichen. Mit einer Art sensorischem Auge kann die Lieferdrohne nun Gegenstände auf ihrem Flugweg erkennen und umfliegen. Im nächsten Schritt sollen Drohnen wetterbeständig werden, damit sie auch bei schwierigen Wetterbedingungen ihren Flug starten können. Dies würde sie auch zum perfekten Lieferboten im E-Commerce machen.

Bisher würden allerdings lediglich 45 Prozent der Deutschen die Lieferdrohne im E-Commerce für den Versand ihrer Ware wählen – da ist auf jeden Fall noch Luft nach oben.

Umfrage zum Thema Drohnenlieferung

45 Prozent der Deutschen würden Waren durch Drohnen liefern lassen. (Quelle: Statista)

Chancen für den E-Commerce und die Lieferanten

Ein besonderes Problem in der Lieferindustrie stellt die sogenannte „Letzte Meile“ dar.

Letzte Meile

So wird der letzte Weg vom Standort des Pakets zum Kunden bezeichnet. Jährlich fallen Kosten von rund 70 Milliarden Euro für diesen Zustellungsweg an. Viel Geld für Onlinehändler und Lieferanten.

In diesem Bereich könnten luftbasierte Lieferroboter eine große Chance bieten. Lieferdienste könnten viel Kohlenstoffdioxid vermeiden, das sonst von Lieferautos ausgestoßen wird. Außerdem kann die Drohne Verkehrsaufkommen vermeiden und spart viel Zeit, im Gegenzug zur Auslieferung per Lieferwagen. Deshalb kann die Lieferdrohne das Paket so schnell wie möglich beim Kunden absetzen. Medikamente oder Blutspenden könnten schneller zugestellt werden.

Um eine problemlose Zustellung per Drohne zu sichern, arbeitet Amazon an einigen extra Features. Beispielsweise soll die Päckchen-Drohne auf die Gestik der Menschen reagieren können, damit sie eine heranwinkende und abwinkende Bewegung als richtige oder falsche Zustellung verstehen kann.

Da Lieferdrohnen im E-Commerce bisher nur leichte Fracht tragen können, arbeitet Boeing an einem Fluggerät, das Lasten von über 200 Kilogramm tragen soll. Da Boeing sich allerdings bisher nicht zur Geschwindigkeit, Reichweite und Akkuladung geäußert hat, ist mit dem Einsatz der Drohnen in nächster Zeit nicht zu rechnen. Amazons Versuch zeigt allerdings, dass eine Zustellung kleinerer Pakete per Lieferdrohne auf jeden Fall möglich ist.

Welchen Haken haben Lieferdrohnen im E-Commerce?

Bis wir unsere Päckchen von Zalando, Amazon und Co. per Drohne erhalten, dürfte es noch etwas dauern. Einen Nachteil könnte die geringe Traglast der Drohne sein, denn schon bei fünf Kilogramm Fluggewicht darf die Drohnen nur in Sichtweite des Piloten geflogen werden. Zudem kollidierten bisherige Drohnen bei starkem Wind oder Regen mit Häusern und Bäumen.

Noch immer sind nicht alle rechtlichen Bedingungen geklärt, was die Durchsetzung der Lieferdrohne im E-Commerce erheblich erschwert. Noch reicht die Akkukapazität der luftbasierten Roboter nicht aus, um über lange Strecken Pakete auszuliefern. Das Drohnen nicht über Wohngrundstücke oder Menschenansammlungen fliegen dürfen, macht die Sache ebenfalls nicht leichter. Das würden sich schließlich bei der Paketzustellung nicht vermeiden lassen. Demnach können Händler ihre Pilotprojekte wohl erst starten, wenn all diese Dinge geklärt sind und Drohnen soweit entwickelt sind, dass sie auch schwere Nutzlasten tragen können.

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Fazit

Noch gibt es einiges zu tun in Sachen Lieferdrohne im E-Commerce. Doch die umweltfreundliche Variante ist definitiv eine Alternative. Wir würden uns vermutlich freuen, unsere Päckchen von einem kleinen, fliegenden Roboter zu erhalten und das auch noch schneller als gewohnt. Da sich die Lieferdrohne genau orten lässt, wissen Onlinehändler immer wo sich die Bestellung befindet. So können sie ihre Kunden regelmäßig über den Stand der Lieferung informieren. Durch personalisierte Versandnachrichten und der schnellen Zustellung durch die Drohne, können Onlinehändler ihre Kunden rundum zufrieden stellen.

Sie bietet dem E-Commerce also, wie auch Chatbots und Sprachassistenten, eine große Chance. Obwohl die Entwicklung der Lieferdrohne noch immer in den Kinderschuhen steck: In Zukunft wird die Drohnenforschung weiter voranschreiten. Die kleinen Roboter werden schneller, ihre Leistungsfähigkeit größer und das Preis-Leistungs-Verhältnis besser. Dazu brauchen wir allerdings eins: Geduld.

Mehr zum Thema „Künstliche Intelligenz im E-Commerce kann in unserer neuen Blogreihe nachgelesen werden.

 

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Über den Autor

Selina

Ich bin Marketing & Content Assistant bei parcelLab und unterstütze das Marketing Team dabei, Kunden von uns zu begeistern. Ich schreibe regelmäßig Artikel für unseren Blog und fülle auch ab und an unsere Social Media Kanäle mit Content. Meinen Tag starte ich am liebsten mit einer Tasse Kaffee - aber bitte ganz hipster-like mit Sojamilch.

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