E-Commerce

Onlinehandel und stationärer Handel – wie Händler beides verbinden können

Der groß gesagte Feind des stationären Handels ist der Onlinehandel. Schon lange ist die Rede vom Aussterben des stationären Handels. Doch stimmt das?

Sie sind sehr gegensätzlich und vor allem große Konkurrenten: Der Onlinehandel und stationäre Handel. Vor allem der Onlinehandel scheint dem Stationären Böses zu wollen. Bequem, schnell und einfach, das macht den Onlinehandel besonders attraktiv. Fast jeder hat schon einmal online etwas bestellt. Zumindest ist das bei der jüngeren Generation der Fall. Doch ist das ein Grund den stationären Handel tot zu sagen oder gibt es vielleicht sogar Möglichkeiten beides zu verbinden?

Onlinehandel und stationärer Handel in Zahlen

Dass der Onlinehandel rasant wächst, ist kein Geheimnis. Vergleicht man die Jahre 2012 und 2018, hat sich der Umsatz fast verdoppelt. Während 2012 noch ca. 28 Milliarden Euro Umsatz gemacht wurde, waren es 2018 schon 53,6 Milliarden. Auch wenn man es nicht glauben mag, der Umsatz im Einzelhandel ist ebenfalls gestiegen. Im Vergleich zu online ist das Wachstum aber bei weitem nicht so stark. 2012 erzielte der Einzelhandel 445,4 Milliarden Euro. Im Vergleich dazu 2018, hier wurden 525 Milliarden Euro umgesetzt.

Bei den Umsätzen des Onlinehandels zeigt sich eine stark steigende Kurve. (Quelle: Statista)

Im Vergleich zum Onlinehandel stiegen die Umsätze im stationären Handel nur sehr leicht. (Quelle: Statista)

Jetzt fragt man sich vermutlich, warum immer vom Aussterben des Einzelhandels gesprochen wird, wenn der Umsatz doch steigt. Das Problem ist das geringe Wachstum. Während der Online-Konkurrent in hoher Geschwindigkeit wächst, ist das beim stationäre Handel nur sehr mäßig der Fall. Die Angst liegt also darin begründet, dass der Onlinehandel den Einzelhandel irgendwann aufholen oder sogar überholen könnte.

Rivalität muss nicht sein

Der stationäre Handel nimmt noch immer einen weit größeren Teil ein als die Online-Konkurrenz. Vor allem Lebensmittel, Kosmetikartikel und Möbel werden zum größten Teil direkt im Laden gekauft. Da bleiben die Deutschen der „altmodischen“ Variante treu. Bei Klamotten, Büchern und Elektronik sieht das anders aus. Diese Artikel werden gerne bequem online gekauft. Doch auch wenn es der stationäre Handel zu dieser Zeit nicht leicht hat, heißt das nicht, dass er damit aus dem Rennen ist. Onlinehandel und stationärer Handel können durchaus vereint werden. Dafür haben Händler verschiedene Möglichkeiten:

Multichannel

Händler nutzen hier verschieden Kanäle für den Vertrieb ihrer Ware. Beispielsweise haben sie einen stationären Handel und gleichzeitig betreiben sie einen Onlineshop, vertreiben ihre Produkte über einen Katalog oder andere Online-Marktplätze, wie eBay und Amazon. So wird der Onlinemarkt nicht mehr zur direkten Konkurrenz. Einnahmen können nämlich durch alle Kanäle erzielt werden. Ein Handel ohne Online-Präsenz verspricht heutzutage nur noch bedingt Erfolg. Deshalb haben auch viele großen Modehändler Multichannel bereits umgesetzt. H&M, Zara, Mango und Co. betreiben schon lange einen Onlineshop. H&M bietet zudem die Möglichkeit über einen Katalog zu bestellen.

Crosschannel

Viele Onlineshops bieten Crosschannel an. Crosschannel beschreibt eine Erweiterung des Multichannels. Hier wird „Click and Collect“ sowie „Order in Store“ verbunden. Kunden können zum einen Artikel im Onlineshop bestellen und das Paket in eine gleichnamige Filiale liefern lassen und dort abholen. Die andere Möglichkeit besteht darin, Artikel im Laden zu bestellen und sie sich nach Hause liefern zu lassen.

Die Vorteile: Der Kunde kann bei „Click and Collect“ bequem vom Sofa aus bestellen und trotzdem vom Service des Einzelhandels profitieren. Die Artikel können beispielsweise direkt im Laden anprobiert werden. Was nicht passt, wird gleich im Laden wieder umgetauscht. „Bei Order in Store“ lässt sich der Kunde im Laden beraten und kann die Artikel dann nach Hause liefern lassen und dort in Ruhe anprobieren. Mit Crosschannel können Onlinehandel und stationärer Handel ganz einfach verbunden werden. Hunkemöller bietet seinen Kunden z.B. Click & Collect an. Hierdurch sparen diese sich die Versandkosten.

Bei Hunkemöller können Kunden die Artikel in der Filiale reservieren und sie anschließend abholen. (Quelle: Hunkemöller)

Curated Shopping

Diese Alternative verbindet die Bequemlichkeit des Onlineshoppens mit der Fachberatung des stationären Handels. Der Kunde muss zunächst einen Fragebogen ausfüllen. Hier gibt er Informationen zu seinem Modegeschmack an. Trägt er lieber schicke Kleidung oder doch eher den lässigen Look? Zudem kann er angeben, was ihm gar nicht gefällt. Nachdem der Stylist Lieblingsmarken, Alter und Erwartungen des Kunden kennt, wird ihm ein direkt auf ihn angepasstes Paket zusammengestellt. Darin enthalten sind meist mehrere Outfits, von denen der Kunde die behalten kann, die seinen Vorstellungen entsprechen. Für Curated Shopping werden allerdings Fachexperten gebraucht, die sonst im stationären Handel eingesetzt werden würden – eine Win-win-Situation sozusagen. Ein Vorteil dieser Variante ist außerdem, dass sich Geschäfte die meist hohen Mieten für Ladenflächen in den Innenstädten sparen können. Das Unternehmen Outfittery hat mit Curated Shopping ein erfolgreiches Angebot nur für Männer entwickelt.

Bei Outfittery stellen Styleberater die Outfits für die Kunden zusammen. (Quelle: Outfittery)

Vor- und Nachteile

Natürlich haben Onlinehandel und stationärer Handel ihre Stärken und Schwächen. Für einige Kunden bietet der Onlinehandel das bessere Gesamtpaket für Andere der Stationäre. Auf welche Vorteile Kunden mehr Wert legen, bleibt ihnen selbst überlassen.

Vorteile Onlinehandel

  • Es kann von überall aus eingekauft werden (vom Sofa, aus der Bahn und von unterwegs)
  • Keine vorgegebenen Öffnungszeiten
  • Durch direkten Preisvergleich günstigstes Angebot finden
  • Größere Artikelauswahl
  • Vorteil für Händler: Durch bestellende Kunden können sie personalisierte Werbung erstellen

Vorteile stationärer Handel

  • Direkter Kontakt mit Produkten
  • Verkäufer können bei Fragen sofort weiterhelfen
  • Soziales Event: Interaktion mit Verkäufern oder Shoppingtour mit Freunden
  • Schnellere und problemfreiere Retouren und Zahlungen
  • Keine Versandkosten
  • Kein Mindestbestellwert

Fazit

Es zeigt sich, dass die Angst um den Einzelhandel nicht ganz unbegründet ist. Die Umsätze steigen viel langsamer als die des Onlinehandels. Bleibt dieses Wachstum auf demselben Level, kann es durchaus sein, dass in Zukunft der Onlinehandel dominiert. Bis es allerdings soweit wäre, würde es noch eine Weile dauern. Mit Integrationen wie Crosschannel, Multichannel und Curated Shopping wurden allerdings Möglichkeiten geschaffen, die Onlinehandel und stationären Handel erfolgreich miteinander verbinden können. Das bringt sowohl Vorteile für den Onlinehandel als auch für den stationären Handel. Außerdem würde es ganz ohne Einzelhandel wohl auch nicht funktionieren.

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Über den Autor

Selina

Ich bin Marketing & Content Assistant bei parcelLab und unterstütze das Marketing Team dabei, Kunden von uns zu begeistern. Ich schreibe regelmäßig Artikel für unseren Blog und fülle auch ab und an unsere Social Media Kanäle mit Content. Meinen Tag starte ich am liebsten mit einer Tasse Kaffee - aber bitte ganz hipster-like mit Sojamilch.

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